WIE JANÁČEK LEBTE

  • ARBEITS- UND LEBENSRHYTHMUS
  • FAMILIE
  • WOHNORT
  • REISEN
  • EXISTENZIELLE BEDINGUNGEN


ARBEITS- UND LEBENSRHYTHMUS 

Leoš Janáček auf einem Spaziergang im Park Lužánky (1928) © Mährisches Landesmuseum

Janáčeks Tagesablauf, Rituale und Bräuche waren natürlich weitgehend von den Pflichten bestimmt, die er zu dieser Zeit zu erfüllen hatte. Zum Komponieren blieb ihm erst nach seiner Pensionierung an der Brünner Lehranstalt im Jahr 1904 mehr Zeit. Danach widmete er sich "nur" noch seiner Orgelschule und Komposition. Da Janáček praktisch nichts auf Bestellung schrieb, war er nicht gezwungen, regelmäßig zu komponieren, und arbeitete nur dann intensiver, wenn es dafür "materielle und innere Ursachen" gab. Als er beispielsweise um das Jahr 1910 in das Haus im Garten der Orgelschule in der Smetanova-Straße zog, sah sein Tag wie folgt aus. 

Er stand im Sommer um sechs Uhr und im Winter um sieben Uhr auf. Dann ging er im Park Lužánky spazieren und frühstückte anschließend (gemeinsam mit der Hündin Čipera). Sein Frühstück war bescheiden, er trank hauptsächlich Kaffee. Dann unterrichtete er bis zum Mittagessen, ruhte sich danach kurz aus und komponierte anschließend. Später am Nachmittag setzt er sich in den Garten, las die Nachmittagsausgabe der Zeitung und ging durch Brünn spazieren. Er aß früh zu Abend, und wenn er kein Konzert oder keine Theateraufführung besuchte, ging er früh zu Bett. Als er im Laufe der Zeit öfter über Nacht in sein Arbeitszimmer in der Schule ging, komponierte er häufig die ganze Nacht und ging erst am Morgen schlafen. (Osvald Chlubna: Wie Janáček war. Ein Manuskript, es befindet sich im Janáček-Archiv des Mährischen Landesmuseums, senza sign.)


FAMILIE

Leoš Janáček verließ sein Zuhause in Hukvaldy im Alter von elf Jahren. Den direkten Kontakt zu seiner Familie verlor er somit bereits als Kind. Umso mehr suchte er als Erwachsener nach familiärer Geborgenheit. Diese fand er in der Familie seines Vorgesetzten Emilian Schulz, des Direktors der Lehrerbildungsanstalt, in dessen Tochter er sich verliebte, und die er 1881 heiratete. Zdenka wuchs jedoch in einer völlig anderen Umgebung auf und war sehr auf ihre Eltern fixiert, woraus sich bald häufige Konflikte zwischen den Jungvermählten ergaben, die nach der Geburt ihrer Tochter Olga ihren Höhepunkt erreichten. Zdenka kehrte zu ihren Eltern zurück, das Paar brach den Kontakt für einige Zeit ab und es drohte, dass die Ehe geschieden würde. Dazu kam es jedoch nicht, Leoš und Zdenka versöhnten sich nach einiger Zeit wieder. Das Zusammenleben war jedoch auch danach nicht besonders glücklich, insbesondere nach dem Tod seines zweitgeborenen Kindes, des erst zweijährigen Sohnes Vladimir, als Janáček gerade Zdenka teilweise für seinen Tod verantwortlich machte. Zdenkas Weigerung, ein weiteres Kind zu bekommen, was sich Janáček sehr wünschte, kam der Beziehung auch nicht zugute. Das relativ zufriedene Leben des Paares basierte somit auf einem einzigen Verbindungsglied - der intelligenten und schönen Tochter Olga. Nach ihrem Tod im Alter von nur 21 Jahren entfremdeten sich die Janáčeks weiter. Darüber hinaus war Zdenka nicht bereit, Janáčeks Liebesaffären (auch wenn wahrscheinlich nur platonischer Art) zu tolerieren, und das gegenseitige Zusammenleben war in bestimmten Phasen sehr angespannt. Janáček wollte die Situation durch Scheidung lösen, aber Zdenka wollte einer solchen Lösung nicht zustimmen. Später schloss das Ehepaar einen Vertrag über gegenseitige Freiheit, der jedoch keine rechtliche Gültigkeit hatte. Dies beruhigte allerdings die Situation auch nicht. Trotz aller Probleme lebten Leoš und Zdenka Janáček bis zum Tod des Komponisten zusammen. 

Liebe Zdenka!

... Stösslová hat mir einen kleinen Teppich, Fotos ihrer Kinder mit mir und ihr geschickt. Ich denke, wenn ich es dir erzähle, weißt du, dass ich Dein bin. Ich weiß, dass es oft notwendig ist, Komponist in der Nähe eines Feuers zu sein. Foerster, Novák - man sieht, dass sie am kalten Ofen sitzen. Es ist nun mal so und mir wird es mit dir nicht schlecht ergehen.

Bleib gesund!

Dein Leoš 

Aus einem Brief Leoš Janáčeks an seine Frau Zdenka, 26. 1. 1928


WOHNORT

Leoš Janáček verbrachte sein gesamtes produktives Leben in Brünn und zog im Grunde nur einmal um - im Jahr 1910 von einer Wohnung in Altbrünn in ein neu gebautes Haus im Garten der Orgelschule in der Smetanova-Straße. In jungen Jahren wohnte er kurzzeitig mehrfach zur Untermiete. Mit Zdenka, Tochter Olga und der Haushälterin Maria Stejskalová lebte er dann ab 1882 in einem Pawlatschenhaus am Klosterplatz Nr. 2 (heute Mendlovo náměstí). In dieser Wohnung, in der die Janáčeks fast dreißig Jahre lang lebten, wurde ihr zweites Kind, Sohn Vladimir, geboren. Leider sind hier später auch beide Kinder gestorben (Vladimir im Alter von zwei Jahren und Olga im Alter von einundzwanzig Jahren).

Die Erinnerung der Haushälterin Marie Stejskalová an die Wohnung am Klosterplatz (Mendelplatz) finden Sie hier

Das Haus am Mendelplatz, in dem die Janáčeks in den Jahren 1882-1910 lebten (erstes von links) © Mährisches Landesmuseum
Das Haus am Mendelplatz, in dem die Janáčeks in den Jahren 1882-1910 lebten (erstes von links) © Mährisches Landesmuseum

Nach dem Umzug in das neue Haus in der Smetanova-Straße verbesserte sich das Lebensniveau der Janáčeks erheblich. Die Erinnerung der Haushälterin Marie Stejskalová an das Haus finden Sie hier.

Leoš Janáček mit seiner Frau Zdenka im Garten des Direktorhauses im Garten der Orgelschule (1927) © Mährisches Landesmuseum
Leoš Janáček mit seiner Frau Zdenka im Garten des Direktorhauses im Garten der Orgelschule (1927) © Mährisches Landesmuseum

REISEN

Ab seinem elften Lebensjahr war Janáček mit Brünn verbunden, von wo aus er an verschiedene Orte reiste, meistens dienstlich, aber auch zum Vergnügen und zur Entspannung. Regelmäßig, vor allem dienstlich, besuchte er nur Prag. Nach seinem fünfzigsten Lebensjahr verbrachte er den größten Teil des Sommers im Kurbad Luhačovice, verweilte aber auch in Karlsbad, Bohdaneč und Crikvenica (im heutigen Kroatien). Ab den 1890er Jahren besuchte er oft seine Heimatstadt Hukvaldy, zunächst vor allem im Sommer, später das ganze Jahr über. Er lobte auch seine Aufenthalte im slowakischen Štrbské pleso. Ins Ausland reiste Janáček nicht sehr oft. Eine Ausnahme bilden das Studium in Leipzig und Wien, drei Reisen nach Russland zu seinem Bruder František, oder Arbeitsaufenthalte im bayrischen Oettingen und in Warschau. Nach der Gründung der Tschechoslowakei waren seine Auslandsreisen hauptsächlich mit den Festivals der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (ISCM) verbunden, wo er an der Aufführung seiner Kompositionen beteiligt war (Salzburg 1923, Venedig 1925, Frankfurt 1927). Er wirkte auch bei der Produktion seiner Werke in Deutschland mit. Im Jahr 1926 unternahm er auf Einladung des Festkomitees unter der Leitung von Rosa Newmarch, einer Musikkritikerin, Schriftstellerin und Förderin von Janáčeks Werk, eine offizielle Reise nach England.

Leoš Janáček mit dem Ballettmeister der New Yorker Metropolitan Oper Otakar Bartík in Venedig (1925) © Mährisches Landesmuseum
Leoš Janáček mit dem Ballettmeister der New Yorker Metropolitan Oper Otakar Bartík in Venedig (1925) © Mährisches Landesmuseum
Leoš Janáček sieht sich den Hafen von Vlissingen bei seiner Rückkehr aus England an (1926) © Mährisches Landesmuseum
Leoš Janáček sieht sich den Hafen von Vlissingen bei seiner Rückkehr aus England an (1926) © Mährisches Landesmuseum

EXISTENZIELLE BEDINGUNGEN 

Janáčeks Aufzeichnungen über die Kosten für Droschkenfahrten © Archiv JZ
Janáčeks Aufzeichnungen über die Kosten für Droschkenfahrten © Archiv JZ

Natürlich war die finanzielle Situation zu Janáčeks Lebzeiten von Entwicklungen geprägt. Anfangs war er ein völlig mittelloser Junge, unterstützt von der Altbrünner Stiftung und seinem Onkel Jan Janáček. Im Zeitraum vom Beginn seiner Erwerbstätigkeit, d. h. von 1876 bis 1903, als ihm von der Lehrerbildungsanstalt ein Krankheitsurlaub zugestanden wurde und er ein Jahr später in den Ruhestand ging, war er finanziell hauptsächlich durch Einnahmen aus pädagogischen Aktivitäten und nur in geringem Umfang aus seinen Kompositionen abgesichert. Im Verlaufe der Jahre 1904-1914 verbesserte sich jedoch Janáčeks finanzielle Situation. Dies war hauptsächlich auf die relativ hohe staatliche Rente und das Einkommen aus der Orgelschule zurückzuführen. Somit stammen diese Beträge immer noch aus pädagogischen und nicht aus kompositorischen Aktivitäten, obwohl sich auch dort das Einkommen erhöhte. Bezogen auf das Gesamtergebnis waren die Erträge aus Kompositionstätigkeiten jedoch geringfügig. Janáčeks Einkommen stieg nach der erfolgreichen Uraufführung von Jenufa in Prag im Jahr 1916 und an der Hofoper in Wien im Jahr 1918 erheblich an, und seine finanzielle Situation verbesserte sich stetig. Dies war auf einen deutlichen Anstieg der Einnahmen aus den Aufführungen und der Veröffentlichung seiner Werke zurückzuführen. Dazu trug auch Janáčeks Entscheidung bei, einen Vertrag mit dem Wiener Verlag Universal Edition abzuschließen. 1918 machten die Einnahmen aus seinen Kompositionen zwei Drittel aller Einnahmen von Janáček aus. 

In den 1920er Jahren war dann Janáčeks finanzielle Situation sehr gut. Dank des hohen Professorengehalts an der Prager Meisterschule und der anschließenden Rente sowie des hohen Einkommens aus Kompositionstätigkeiten im Zusammenhang mit der Vergabe staatlicher Preise wurde Janáček auf seine alten Tage sehr reich. Trotzdem hat sich sein Lebensstandard im Vergleich zu den Vorjahren nicht wesentlich verändert. Die einzigen erheblichen Ausgaben betrafen Spenden und den Kauf von beweglichem und unbeweglichem Vermögen in seiner Heimatstadt Hukvaldy


Der Autor des Textes ist Jiří Zahrádka. Übernommen aus der Publikation "Slavní čeští skladatelé" (Berühmte tschechische Komponisten). Herausgegeben vom Nationalmuseum, 2020.