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Leoš-Janáček-Haus


SMETANOVA 14


Als die Orgelschule im Jahr 1907 den Unterrichtsbetrieb in der Villa Chleborád aufnahm, hatte Janáček als Direktor der Schule von seiner Wohnung in Alt-Brünn einen ziemlich weiten Weg zu seiner neuen Wirkungsstätte. Die elektrische Straßenbahn nutzte er nicht, da sie deutsch war. Der Verein zur Förderung der Kirchenmusik in Mähren als Träger der Schule beschloss daher, im Schulgarten anstelle des hölzernen Pferdestalls ein kleines Wohnhaus für den Direktor zu errichten. Entworfen und erbaut wurde das Haus durch den Bauunternehmer Alois Horák. Janáček zog mit seiner Ehefrau und seiner Haushälterin Marie Stejskalová im Jahr 1910 in das Haus ein und verbrachte hier die letzten achtzehn Jahre seines Lebens. Das neue, für seine Zeit komfortable Haus wurde damit zur Geburtsstätte von Janáčeks Hauptwerken - der Opern Die Ausflüge des Herrn Brouček, Katja Kabanowa, Das schlaue Füchslein, Die Sache Makropulos und Aus einem Totenhaus, der Orchesterwerke Taras Bulba und Sinfonietta oder der Kantate Glagolitische Messe. Heute findet sich hier ein kleines Museum, wo das im Originalzustand erhaltene Arbeitszimmer Janáčeks samt seinem Klavier bewundert werden kann, welches der Meister als Hochzeitsgeschenk erhalten hatte und an dem er fortan wohl alle seine Werke komponierte.

Leoš Janáček mit seiner Ehefrau Zdenka im Garten des Direktorenhauses hinter der Orgelschule (1927) © Moravské zemské muzeum
Leoš Janáček mit seiner Ehefrau Zdenka im Garten des Direktorenhauses hinter der Orgelschule (1927) © Moravské zemské muzeum

Am Samstag, dem 2. Juli sind wir umgezogen. Wir waren schon bald eingerichtet; wir hatten schon vorher alles ausgemessen und bestimmt, was wo stehen soll. Und als wir zusammen mit Mářa innerhalb einiger Zeit alles nach den Handwerkern in Ordnung gebracht hatten, war unser "Häuschen" - wie wir es nun allgemein zu nennen pflegten - entzückend. Im Garten standen damals lauter Obstbäume, auf der Seite zur Giskra-Straße (Kounicova) ließ mein Mann 14 Buchsbäume setzen - das war nach seinem Geschmack. [...] Auf der Veranda herrschte unser Čert.

 Erinnerungen: Zdenka Janáčková - mein Leben (1998)


In Janáčeks Wohnhaus © Moravské zemské muzeum

Die Giskra-Straße (heute Kounicova), aus der Richtung des heutigen Hotels Continental. In der Mitte die heute nicht mehr existierende Villa der Familie des berühmten Physikers Georg Placzek, dahinter das Gebäude der Orgelschule © archiv JZ
Die Giskra-Straße (heute Kounicova), aus der Richtung des heutigen Hotels Continental. In der Mitte die heute nicht mehr existierende Villa der Familie des berühmten Physikers Georg Placzek, dahinter das Gebäude der Orgelschule © archiv JZ
Leoš Janáček vor dem Direktorenhaus im Garten der Orgelschule (wohl 1924) © Moravské zemské muzeum
Leoš Janáček vor dem Direktorenhaus im Garten der Orgelschule (wohl 1924) © Moravské zemské muzeum
Leoš Janáček im Garten mit seinem Hund Čert (etwa 1910) © Moravské zemské muzeum
Leoš Janáček im Garten mit seinem Hund Čert (etwa 1910) © Moravské zemské muzeum
Sprachmelodie. Am 10.6.1923 notierte Leoš Janáček in der Smetanova-Straße: Die Schuldienerin ruft ihrem Söhnchen Petr nach, den der Vater zum Kindergarten bringt: „– und sei dort brav – !“ Die Schuldienerin entstammt einer Familie aus Újezd bei Sokolnice. © Moravské zemské muzeum
Sprachmelodie. Am 10.6.1923 notierte Leoš Janáček in der Smetanova-Straße: Die Schuldienerin ruft ihrem Söhnchen Petr nach, den der Vater zum Kindergarten bringt: „– und sei dort brav – !“ Die Schuldienerin entstammt einer Familie aus Újezd bei Sokolnice. © Moravské zemské muzeum
Am 25.2.1926 notierte Leoš Janáček: In meinem Garten die Kastanien beschnitten, die Linden kahl wie Besen, der Rasen gefroren, die Fußwege mit Wasser getränkt – und schon meldete sich vom Mäuerchen eine Amsel mit schöner Weise. © Moravské zemské muzeum
Am 25.2.1926 notierte Leoš Janáček: In meinem Garten die Kastanien beschnitten, die Linden kahl wie Besen, der Rasen gefroren, die Fußwege mit Wasser getränkt – und schon meldete sich vom Mäuerchen eine Amsel mit schöner Weise. © Moravské zemské muzeum